Direkt zum Inhalt
Begijnhof in Brugge

Bereits im 13. Jahrhundert bewohnten Beginen den Fürstlichen Beginenhof „Ten Wijngaarde“ Ledige Damen lebten dort in einer geschlossenen Gemeinschaft zusammen und führten ein relativ unabhängiges und emanzipiertes Leben. 1998 wurde der Brügger Beginenhof zusammen mit 12 anderen flämischen Beginenhöfen von der UNESCO als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Die weißen Häuser, die den bezaubernden Hofgarten umgeben, werden noch heute von einigen Nonnen und von Frauen bewohnt, die einen ruhigen Lebensstil wählen. Sie können dieses einzigartige Stück Weltkulturerbe frei besichtigen, aber die Tore schließen sich trotzdem unwiderruflich bei Einbruch der Dunkelheit.

Die Anfänge der Beginenbewegung

Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert begannen Frauen, sich zusammenzuschließen, um ihre spirituellen und materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. So entstand die Beginenbewegung.

Zum Entsetzen der Kirche

Obwohl die Beginen ein frommes und zölibatäres Leben führten, ...

  • ... haben sie sich nicht an eine etablierte Lebensregel der römisch-katholischen Kirche gehalten;
  • ... haben sie kein Armutsgelübde abgelegt;
  • ... durften sie ihren Besitz behalten;
  • ... waren sie nicht durch formelle „ewige Gelübde“ gebunden.

Die Beginen führten ein unabhängiges und freieres Leben als die Nonnen. Den damaligen -  männlichen - Kirchenoberhäuptern gefiel dies alles nicht. Papst Clemens V. erklärte die Beginen 1311 sogar zu Häretikern.

Besonders in Flandern

Trotz heftigen Widerstands verbreiteten sich die Beginen in ganz Europa. In den Niederlanden organisierten sie sich selbständig, ließen sich in einer geschlossenen Gemeinschaft nieder und hatten eine eigene Verwaltung. Hier waren der Adel und einige religiöse Orden der Beginenbewegung wohlgesonnen. Sie konnten dort mit Unterstützung rechnen. Die belgischen Beginenhöfe befanden sich daher hauptsächlich in der mächtigen Grafschaft Flandern und im Herzogtum Brabant. In Brügge genossen die Beginen den Schutz der Gräfin Johanna von Konstantinopel, und 1299 nahm der französische König Philipp der Schöne den Beginenhof unter seine Befugtheit. Das erklärt den Namen „Fürstlicher Beginenhof“.

Der Brügger Beginenhof früher und heute

  • 1242: erste schriftliche Erwähnung des Brügger Beginenhofs
    Davor lebten die Beginen wahrscheinlicht in der Stadt verstreut.
  • Mitte des 13. Jahrhunderts: De Wijngaard
    Die Beginen ließen sich am Rande der Stadt nieder, direkt außerhalb der ersten Stadtmauern. Ihr Beginenhof befand sich auf einem niedrig gelegenen Stück Grasland (einem „gaard“), der eingezäunt war (ein „wijn“). Daher der Name „Wijngaard“.
  • 15. Jahrhundert: Blütezeit
    Damals lebten dort 152 Beginen, die auf 11 Konvente verteilt waren. Jeder Konvent wurde von einer Meisterin geleitet, während die Vorsteherin den gesamten Beginenhof unter ihrer Obhut hatte.
  • 1927: Die letzten Beginen
    Im 19. Jahrhundert gingen die Einkünfte des Beginenhofs drastisch zurück, ebenso wie die Zahl der Beginen. Die letzten vier Beginen schlossen sich 1927 der Gemeinschaft der „Filles de l'Église“ an und folgten der Benediktsregel. Von da an lebten im Brügger Beginenhof keine Beginen mehr, sondern Klosterschwestern.

Die Beginen

Die ersten Beginen stammten aus einfachen Verhältnissen und entschieden sich bewusst für eine Form des Zusammenlebens in Konventen. Es waren emanzipierte Frauen, die ihr Leben Gott widmeten, ohne sich von der Welt zurückzuziehen. Sie machten sich in Krankenpflege, Bildungswesen und Textilbearbeitung nützlich.
 

Ihrer Zeit weit voraus

Im Gegensatz zu den strengen Klosterorden behielten die Beginen ihr persönliches Eigentum und ihre Rechte. Dies gab ihnen Freiheit in ihrem täglichen Leben und in der Religionsausübung. Der Ein- und Austritt war jederzeit möglich. Einige traten zum Beispiel erst bei, als sie verwitwet waren.
 

Warum in einem Beginenhof leben?

Jede Begine hatte ihre eigene Motivation. Einige mögliche Gründe:

  • Die geschlossene Beginengesellschaft bot Schutz und Sicherheit.
  • Fromme oder mystische Frauen suchten eine persönlichere Beziehung zu Gott, außerhalb der kirchlichen Struktur.
  • Als Frau hatte man die Wahl zwischen einer Heirat oder einem strengen Kloster. Der Beginenhof bot mehr Freiheit und Unabhängigkeit.
Twee zusters wandelen door begijnhof
Zwei Schwestern wandern durch den Beginenhof Stadt Brügge | Büro für Fotografie (Jan Termont)
Noch immer bewohnt

Der Brügger Beginenhof ist seit Jahrhunderten ununterbrochen bewohnt. Heute wohnen dort einige Nonnen vom Orden des Heiligen Benedikt und alleinstehende Frauen aus Brügge.

Architektonisches Ensemble

Der Brügger Beginenhof besteht aus

  • 37 Wohnhäusern
  • einem Monasterium
  • einer Kirche
  • Nebengebäuden
  • Grünflächen

Dieses architektonische Ensemble ist nach einem Raumkonzept städtischen oder ländlichen Ursprungs organisiert und in für den flämischen Kulturraum spezifischen Stilen gebaut.
 

Besucher sind willkommen

Der Beginenhof ist für Besucher geöffnet. Gehen Sie unbedingt hinein, denn

  • durch das Haupttor aus dem 18. Jahrhundert erleben Sie einen beeindruckenden Eingang. Über dem Tor ist die Heilige Elisabeth abgebildet, die Schutzpatronin des Brügger Beginenhofs. Das Wort „Sauvegarde“ steht für den Schutz der Gräfin von Flandern, Johanna von Konstantinopel. Außerdem gibt es ein zweites Tor am Schleusenhaus. Beide sind nachts geschlossen.
  • der große Hofgarten mit hohen Pappeln und Linden und den umliegenden weißen Häusern ist besonders beeindruckend. Im Frühjahr blühen nacheinander die Narzissen und die wilde Waldhyazinthe. Zusammen mit den seltenen Orchideen unterstreichen sie den einzigartigen Charakter des Beginenhofs.
  • in der Kirche finden Sie unter anderem die älteste Sedes Sapientiae (Maria mit dem Jesuskind) in Brügge. Es handelt sich um eine Statue der Muttergottes von Spermalie aus dem Jahr 1247. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert war ursprünglich gotisch, aber brannte im 16. Jahrhundert wegen einer umgefallenen Kerze fast vollständig ab. Beim Wiederaufbau im 17. Jahrhundert wurden barocke Innenelemente hinzugefügt.


Suchen Sie auch nach

  • dem Haus der Vorsteherin in Nummer 30. Von allen weißen Häusern rund um den Innenhof ist dies das einzige mit barocken Fassadenelementen. Die Vorsteherin hatte das größte Haus, denn hier befanden sich auch der Verwaltungssitz, die Krankenstation und eine Kapelle.
  • der „steert“ (im Deutschen: Schwanz), einer Sackgasse mit ein paar Häusern. Betreten oder verlassen Sie den Beginenhof durch das Tor in der Nähe des Minnewaters? Dann spazieren Sie automatisch durch diese Gasse. In einigen Beginenhöfen sind die Häuser um einen Innenhof gruppiert. Andere folgen einem Straßenmuster, wie in einem kleinen Dorf. Die „steert“ macht den Brügger Beginenhof zu einem Mischtyp.
  • dem religiösen und liturgischen Zentrum in der Nummer 4. Dort können Sie Bücher, Kerzen, Rosenkränze, Postkarten, Heiligenstatuen und andere Erinnerungsstücke kaufen.

Außergewöhnlicher universeller Wert

Der Brügger Beginenhof wurde 1998 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt, ebenso wie 12 der insgesamt 26 Beginenhöfe in Flandern. Bei der Anerkennung als Weltkulturerbestätte genehmigt das zuständige Komitee stets ein „Statement of Outstanding Universal Value“ (SOUV). Die 13 flämischen Beginenhöfe wurden als Serie in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und haben natürlich ein SOUV.

Dies sind die Hauptgründe, warum die anerkannten Beginenhöfe laut der UNESCO einen außergewöhnlichen universellen Wert haben:

  • Zeuge der Beginenbewegung
    Beginenhöfe zeigen, wie Gruppen unabhängiger, religiöser Frauen (unverheiratet oder verwitwet) zusammenleben, ohne sich dabei völlig aus der Gesellschaft zurückzuziehen.
  • Typische Einfriedung mit Mauern oder Gräben und Toren
    Bis heute bilden die Beginenhöfe klar abgegrenzte Bereiche und Oasen der Ruhe in der Stadt.
  • Gleichgewicht zwischen Gemeinschaft und Individuum
    Die erkennbaren architektonischen Ensembles, in denen Häuser, Kirche, Nebengebäude usw. um Straßen, Plätze und Grünflächen herum organisiert waren, spiegeln noch heute einen Lebensstil wider, in dem Gemeinschaftssinn und Respekt vor dem Einzelnen ebenso perfekt ausgeglichen zu sein scheinen wie das spirituelle Leben und die materiellen Bedürfnisse des Alltags.

Authentischer und lebendiger Ort (der Stille)

Vor allem der Brügger Beginenhof punktet mit seiner Authentizität und Integrität:

  • der gesamte Beginenhof ist in gutem Zustand
  • er ist noch immer eine einzige Immobilie
  • es gibt noch immer ein religiöses Erlebnis durch die anwesenden Nonnen
  • nach vielen Jahrhunderten wird er noch immer ausschließlich von Frauen bewohnt
  • die Tore schließen immer noch jeden Tag bei Sonnenuntergang
  • er ist ein einzigartiger Ort der Stille im Stadtzentrum
Begijnhof in Brugge

Als Eigentümer sorgt die Stadt Brügge dafür, dass der Beginenhof ein lebendiger Ort bleibt, der die außergewöhnlichen universellen Werte pflegt und bewahrt. Von allen Besuchern wird Respekt für die einzigartigen Werte dieses Ortes erwartet.


Beginenhof in 360°